Titel / Künstler
Datum
Typ
TsuShiMaMiRe rocken im Shimokitazawa Shelter
Datum: 2010.09.21
Konzert
Künstler: TsuShiMaMiRe
Bild © photo by saito mayumin
Dieses quietschbunte Universum zu betreten, gestaltet sich in Shimokitazawa aber nicht ganz einfach: Im Inneren des Shelter warten bereits so viele Fans auf die drei Japanerinnen, dass man kaum die Tür öffnen kann. Dahinter schlägt einem dann eine hochsommerliche Hitze entgegen, aber auch jede Menge guter Laune, die ihren Siedepunkt erreicht, als die drei loslegen: Bassistin Yayoi, Schlagzeugerin Mizue und Mari, die nicht nur singt, sondern auch Gitarre spielt.
Ihr Opener Sex On The Beach vom gleichnamigen Album, das im Frühjahr in Japan und Ende August in Nordamerika erschienen ist, reißt das Publikum sofort mit. Der Track startet mit einem harten Gitarrenriff, ehe Yayois Bass einsetzt und diese beiden Instrumente einen rauen rockigen Sound vorlegen, der dann durch Mari's Stimme ein wenig in seine Schranken gewiesen wird, aber immer wieder aufbegehrt. Man meint stellenweise eine Trompete zu hören, weil das Lied so klar vom Ska-Punk beeinflusst ist, aber die drei Musikerinnen produzieren diesen mitreißenden Sound nur zu dritt und live klingt er noch rockiger als auf dem Album.
Vom ersten Song an, brummt das Shelter und man sieht zahlreiche Crowdsurfer vor der Bühne, aber auch sonst ist jeder Zentimeter des Livehauses belegt. Die Bandmitglieder sprechen zwischen den Liedern mit ihren Fans, was mal für Erheiterung, mal für Begeisterung sorgt.
Pan Basket wird als viertes gespielt und bedeutet auf Deutsch so viel wie „Brotkorb“. Der Song wirkt weniger punkig als der Opener, weil das Lied etwas mehr Raum für die Stimme Maris lässt. Durch das präzise Zusammenspiel der drei ehemaligen Studentinnen (Die Band gründeten sie während des Studiums.) geht Pan Basket unglaublich in die Beine, obwohl es weniger temporeich ist als Sex On The Beach.
Die nächste Nummer heißt Strobo und beginnt mit einem Vocalintro, bei dem Maris Stimme zuckersüß und niedlich klingt. Das Publikum schüttelt dazu die Köpfe hin und her und so manch einer wird sich später auf dem Weg zur U-Bahn dabei erwischen, wie er lauthals „sayonara, baby“ vor sich hin singt, denn Strobo hat unglaubliches Ohrwurmpotenzial im positiven Sinne. Man könnte sich das Lied aber auch gut als Soundtrack einer punkigen japanischen Version der Serie „Sex And The City“ vorstellen, da es einen großen Wiedererkennungswert besitzt.
Danach sagt Mari dem Publikum, dass es auch auf der Bühne schon unglaublich heiß sei, und kündigt an, dass TsuShiMaMiRe nun einen ganz neuen Song, nämlich Grapefruits, spielen.
Der Titel Manhole dürfte für Fans ein altbekannter Klassiker sein, denn er befindet sich sowohl auf dem Demo Bloody Mohawk als auch auf dem ersten Album der Band Pregnant Fantasy aus dem Jahr 2004. Der Song wirkt zunächst, als wäre es eine Improvisation, weil er sehr abwechslungsreich ist: Im Intro steht Yayoi's Bassriff im Vordergrund, das sie mit ihrem ganzen Körper begleitet, als würde sie es aus ihrem Bass herausquetschen. Daraufhin kommt ein rockiger mitreißender Teil, dessen Tempo durch Mizue's dynamisches Schlagzeugspiel vorangetrieben wird. Die Bassistin geht immer wieder zum Bühnenrand, um dem Publikum noch näher zu sein, jeder kann sehen, wie sehr sie und die beiden anderen die Show genießen. Schließlich steigert sich Manhole noch einmal in der Intensität, als sich die Stimme der Sängerin mit der der Bassistin abwechselt: Sie singen nicht nur, sondern kreischen und schreien, die Stimmung im Shelter kann gar nicht mehr besser werden. Auch wenn der Song einen improvisierten Charakter hat, könnten die drei nie diese Intensität erreichen, die sich auch auf das Publikum überträgt, wenn ihr Zusammenspiel nicht so auf den Punkt passen würde.
Das elfte Lied des Abends, J-POP hat mit dem besungenen Stil zunächst nicht viel gemeinsam, vielmehr besticht er durch verzerrte Gitarren und ein punkiges Tempo, bei dem man sich fragt, ob Mari überhaupt noch Luft holt. Ab der Mitte des Songs zitieren die drei J-Rockerinnen ihre Popkolleginnen mit ihrem leichten Sound und den zuckersüßen Stimmchen in einem Zwischenspiel, ehe sie J-POP in ihrem gewohnten Stil beenden. Darin offenbart sich auch die Bandbreite, die diese Band musikalisch vorweisen kann, der Sound ist zwar rockig und punkig, aber nicht stumpfsinnig. Nach mehrmaligem Hören ihrer CDs werden TsuShiMaMiRe nur noch interessanter und live sind sie ein Erlebnis. Doch auch für die Band ist dieser Liveauftritt im Shelter ein Erlebnis: Während der Zugabe (der Klassiker Brain Shortcake) lassen sich Mari und Yayoi mitsamt ihren Instrumenten auf den Händen des Publikums bis ans Ende des Livehauses befördern und spielen inmitten der tanzenden Fans ihr Konzert zu Ende.
Setliste
1. Sex on the Beach
2. おじいちゃんのおズボン (Ojiichan No Ozubon)
3. まつり (Matsuri)
4. パンバスケット (Pan Basket(Bread Basket))
5. ストロボ (Strobo(Strobe))
6. グレープフルーツ (Grapefruits)
7. マイクスメルくんくん (Microphone’s Smell “Kun-Kun”)
8. なmellow (Na mellow)
9. マンホール (Manhole)
10. キッチンドランカー (Kitchen Drunker)
11. J-POP
12. TBD
13. ハイパースイートパワー (HYPER SWEET POWER)
14. タイムラグ (TIME LAG)
Zugabe: 脳みそショートケーキ (Brain Shortcake)


